Wissen zu Keramiken

Archaische Brände – Niedrigbrände

Dazu gehören

Die unterschiedlichen Verfahren haben alle das Ziel, die Brennware direkt mit den Flammen in Verbindung zu bringen (Ausnahme Kapselbrand). Der dabei entstehende Kohlenstoff wird vom porösen Scherben (vorher „schrühgebrannt“) absorbiert. Dadurch entstehen Farbvarianten von Schwarz über Grau bis Braun, die durch Zusätze von Oxiden und Sulfaten oder vor dem Schrühbrand aufgetragene Engoben ergänzt werden können. Falls keine Glasur aufgetragen wird, bleiben die Gefäßwandungen porös. Die Keramik ist dann nicht wasserdicht!
Alle Arten von Keramikbränden haben ihre eigene Faszination. Die Unmittelbarkeit und die Vorerwartung auf das Brennergebnis machen den Prozeß so spannend. Eine besondere Bearbeitung vor dem Schrühbrand durch polieren oder Auftrag von Terra-Sigillata ergibt seidenmatte Oberflächen.

Grubenbrand

Die Grube zum Brennen kann eine beliebige Größe haben (ca. 60 cm Tiefe sind praktisch). In der Regel wird schnell und langsam brennendes Material gemischt und zusammen mit dem Brenngut in die Grube gefüllt. Die Gefäße/Objekte werden mit Engoben, Oxiden und Salzen vorbehandelt. Ist die Grube fertig beschickt, wird sie von oben mit einer dicken Schicht Sägemehl, Grassoden und z.B. mit Wellblech abgedeckt. Das Brennmaterial wird in Windrichtung angezündet. Die Brenntemperaturen können zwischen 300° C und 850° C schwanken.

Das sorgfältige Einschichten der Gefäße, ein etwa 8-stündiges Feuer in der Grube und das Zusammenspiel von Feuer und Erde bringen unnachahmliche Ergebnisse. Die Grube bleibt etwa 36 Std. geschlossen.

Kapselbrand

Kapseln sind feuerfeste Behältnisse, die beim Brand die Keramik und das Brennmaterial aufnehmen. Sie schützen das Objekt vor dem direkten Zutritt der Flammen, den Brenngasen und möglichen Verunreinigungen. Sie waren früher gebräuchlich bei Holz- und Kohleöfen. Moderne Gas- oder Elektroöfen arbeiten sehr sauber. Eine Kapsel bietet die Möglichkeit, ein „Mikroklima“ mit räumlich beschränkter Reduktionsatmosphäre im Ofen zu schaffen. Zur Erzielung besonderer Effekte werden mit dem Räuchermaterial weitere Stoffe wie Salze, Metalloxide, Sulfate und andere Naturmaterialien in die Kapsel gegeben. Die Brenntemperatur im Gasofen liegt im Bereich 900° C bis 1000° C. Auch hier sind die Ergebnisse immer wieder vom Zufall geprägt. Jede Keramik ist ein Unikat!

Alle Objekte für den Kapselbrand werden vor dem Brennen im „lederharten“ Zustand von Hand poliert. Das ergibt nach dem Brennen die feine ansprechende Oberfläche.

Raku-Brand

Eine ursprünglich in Japan entstandene und entwickelte Brenntechnik (ca. 16. Jahrhundert). Es ist ein Niedrigbrand-Verfahren, bei dem die keramischen Objekte bei etwa 950 bis 1000° C glühend mit Zangen aus dem Ofen genommen werden und dann in einem Bett aus Sägemehl, Stroh, Laub oder anderem brennbaren Material eingehüllt werden und darin abkühlen. In einer kurzen Zeitspanne (ca. 2 min.) nach der Entnahme aus dem Ofen entsteht in der Glasur ein Netz von feinen Rissen, das dann durch die nachfolgende Raucheinwirkung die typische  Oberfläche mit dem schwarz eingefärbten „Craquelee“ ergibt.

Es wird mit verschiedenen Glasuren, Brennverfahren und Abräuchermethoden gearbeitet. Die Ergebnisse sind immer vom Zufall geprägt, d. h. das Erscheinungsbild  lässt sich nicht vorherbestimmen.