Steuerpflicht beim Kunstverkauf

Wichtig: Diese Informationen stellen keine rechtliche Beratung dar. Diese Zusammenstellung soll lediglich ein ganz einfacher Leitfaden sein, wie das mit der Steuer ist. Ich empfehle Jedem, sich bei Fragen direkt an das zuständige Finanzamt zu wenden oder einen Steuerberater seiner Wahl zu konsultieren.

Kunst zum Beispiel auf Kunstmärkten oder in Ausstellungen verkaufen bedeutet, die Einnahmen müssen versteuert werden. Das Gute: auch Ausgaben dürfen dagegen gerechnet werden und mindern so den zu versteuernden Gewinn. Wie, das versuche ich den Lektionen kurz und knapp zu beschreiben. Alle Einnahmen und Ausgaben sind mit der Steuererklärung zusammen auf dem separaten Steuerformular EÜR (Einnahme-Überschuß-Rechnung) anzugeben.

Jede Einnahme zählt vor dem Finanzamt. Verkauft man seine Kunst, so ist das eine Einnahme. Um sich da rechtlich abzusichern, empfiehlt es sich, sich beim Finanzamt mit seiner künstlerischen Tätigkeit anzumelden. Eine Gewerbeanmeldung ist nicht erforderlich, weil Künstler als Freiberufler gelten. Am Jahresende gehen die Gewinne in die Steuererklärung mit ein und erhöhen so die zu zahlenden Steuern.

Dabei gelten jedoch Grenzen, ab wann überhaupt Steuer gezahlt werden muss.

  • Hat Künstler keine weiteren Einnahmen und der Gewinn aus dem Verkauf von Kunst ist unter ca. 9000 Euro (die Grenze verschiebt sich fast jährlich nach oben und ist gleich der Steuerfreigrenze im Einkommensteuergesetz —> auf Steuertipps fand ich eine Übersicht), so werden in der Regel keine Steuern fällig.
  • Hat Künstler dagegen weiteres Einkommen (z. B. eine Rente/Pension), so werden die Gewinne aus dem Kunstverkauf dazu addiert.

Gewinne sind Erlöse minus Kosten. Aber Vorsicht: Sind die Kosten (z. B. die Ausgaben für Material) höher als die Erlöse aus dem Verkauf der Kunst, kann das Finanzamt die ganze Sache als Hobby abtun. Dann gilt: Einnahmen müssen angegeben und versteuert werden, Kosten/Ausgaben dagegen werden nicht anerkannt. Das passiert in der Regel aber erst nach einer gewissen Zeit, in der sich das Finanzamt die Entwicklung anschaut.

Wichtig: Ihr müsst jetzt keinen Kurs zum Buchhalter absolvieren. Eine einfache Liste mit Einnahmen und Ausgaben sowie den Belegen dazu einfach der Steuererklärung beifügen.

Darf ich Rechnungen schreiben?

Jeder darf eine Rechnung bzw. Quittung schreiben. Verkauft Künstler an Privat, kann auf den Beleg verzichtet werden. Geschäftliche Kunden werden dagegen sicher einen Beleg verlangen. Das darf man auch. Wer keine Umsatzsteuer abführt (siehe dazu weiter unten im Absatz —> Wann bin ich umsatzsteuerpflichtig), der darf auf seinen Rechnungen natürlich keine Mehrwertsteuer (korrekt: Umsatzsteuer) ausweisen. Und wer es ganz korrekt machen will, der schreibt in dem Fall Umsatzsteuerbefreit nach §19 UStG. (die greift bei der sogenannten Kleinunternehmerregelung) auf seine Rechnungen/Quittungen drauf.

Was muss ich angeben

Jeder Verkauf eines Kunstwerks, auch Postkarten zählen dazu (zum Beispiel Postkartenverkauf während der Arche-Ausstellung) ist steuerpflichtig. Dazu zählen die Einkommensteuer und die Umsatzsteuer (mehr zur Umsatzsteuerpflicht in einer nachfolgenden Lektion). Ob denn Steuern abgeführt werden müssen, legt das Finanzamt letztlich fest.

Ich empfehle eine Tabelle mit allen Einnahmen: was wurde verkauft, was wurde eingenommen, wann wurde es verkauft. Das sieht z.B. so aus:

Einnahmen

VerkaufDatumEinnahme
Gemälde12.10.2018450,00 €
Postkarten15.10.201816,50 €
Summe Einnahmen466,50 €

Diese Liste wird zusammen mit dem Formular EÜR beim Finanzamt eingereicht.

Ich gehe in diesem Beispiel mal davon aus, dass Künstler nicht umsatzsteuerpflichtig ist. Mit Umsatzsteuer ist dann schon wieder etwas komplizierter und es muss detaillierter berichtet werden. Viele Selbstständige haben für diese Aufgaben einen Steuerberater engagiert, der sich bestimmt auskennt.

Was darf ich abziehen

Ich empfehle eine Tabelle mit allen Ausgaben: was wurde gekauft, was wurde ausgegeben, wann wurde es gekauft. Das sieht z.B. so aus:

Alles was für die Herstellung eines Kunstwerks notwendig ist, darf gegen die Einnahmen gegengerechnet werden und mindert so den Erlös. Auch Kosten für die Werbung, Fahrtkosten, Druckkosten, Material usw., solange die im direkten Zusammenhang stehen mit der verkauften Kunst. Eine Ausnahme stellen sogenannte Anlagegüter dar: z.B. eine Ateliereinrichtung. Die darf nur anteilig eingebracht werden, weil das Finanzamt davon ausgeht, dass deren Nutzung auf mehrere Jahre ausgelegt ist. Übliche Nutzungsdauer solcher Anschaffungen sind 3, 5 oder 7 Jahre. Das bedeutet: Man muss die Gesamtkosten für diese Anschaffung auf die entsprechenden Jahre verteilen, bis der gesamte Anschaffungswert abgeschrieben ist. Ob die Ausgaben alle anerkannt werden, legt das Finanzamt letztlich fest.

Ausgaben

KostenDatumAusgabe
Pinsel12.10.2018120,00 €
Leinwand15.10.2018230,00 €
Ateliereinrichtung (2500,00 €, Abschreibung über 5 Jahre, hier Abschreibung 1. Jahr)31.12.2018500,00 €
Summe Ausgaben850,00 €

Diese Liste wird ebenfalls zusammen mit dem Formular EÜR beim Finanzamt eingereicht.

Aufpassen muss man, wenn über viele Jahre die Ausgaben höher als die Einnahmen sind. Zu leicht wird dann vom Finanzamt angenommen, es handele sich nur um ein Hobby. Dann zählen nur noch die Einnahmen, die Ausgaben werden nicht mehr anerkannt. Aber auch das wiederum legt das Finanzamt fest – nicht das wer jetzt auf die Idee kommt und seine Einnahmen selbst zum Hobby deklariert.

Ich gehe auch in diesem Beispiel mal davon aus, dass Künstler nicht umsatzsteuerpflichtig ist. Das ist dann schon wieder etwas komplizierter und es muss detaillierter berichtet werden. Viele Selbstständige haben für diese Aufgaben einen Steuerberater engagiert, der sich bestimmt auskennt.

Wann bin ich umsatzsteuerpflichtig

Wer gerade seine ersten Einkünfte aus dem Verkauf seiner Kunst vorweisen kann, der kann es sich Anfangs einfach machen, indem von der Kleinunternehmerregelung gebrauch gemacht wird. Das bedeutet: man muss sich nicht um die Umsatzsteuer (umgangssprachlich Mehrwertsteuer) kümmern.

Also muss Kleinunternehmer auch nicht regelmäßig Umsatzsteuervoranmeldungen und am Jahresende zusätzlich eine Umsatzsteuererklärung abgeben. Das hat Vorteile, aber auch ein paar Nachteile.

Wichtig ist in jedem Fall, das man auf seinen Rechnungen unbedingt diesen Text drauf haben muss, wenn man von der Kleinunternehmerregelung (§19 UStG) betroffen ist und davon Gebrauch machen will:

Umsatzsteuerbefreit nach §19 UStG.

Ist man von der Kleinunternehmerregelung betroffen bzw. hat diese gewählt, darf man im Gegenzug auch Ausgaben nur brutto verrechnen. Aber da Kunst in der Regel eh unter die 19% USt. fällt und Material auch, spart man sich nichts.

Für Existenzgründer oder Künstler, die nur ab und zu mal was verkaufen, ist das der gängige Weg und spart einem bezüglich der Steuererklärungen eine Menge Arbeit. Nicht vergessen, dem Finanzamt mit der ersten Steuererklärung unbedingt seinen Wunsch auf Anwendung der Kleinunternehmerregelung mitteilen.

Beispiel buchen mit Umsatzsteuer

Nachfolgend ein einfaches Beispiel für eine Einnahmen-/Ausgabenliste mit Berechnung der Umsatzsteuer. Umsatzsteuer ist vereinnahmte Mehrwertsteuer, Vorsteuer ist bezahlte Mehrwertsteuer. Im Beispiel habe ich mich auf die Anwendung von 19% Umsatzsteuer beschränkt. Die meisten Produkte sind vom Gesetzgeber mit 19% belegt. Mit 7% dagegen zum Beispiel Bücher, Nahrungsmittel (aber nicht bei Verzehr im Restaurant). Kunst ist grundsätzlich mit 19% belegt. Ausnahme sind urheberrechtliche Lizenzen wie z.B. wenn ich ein Foto nicht im Auftrag mache und es dann wem digital verkaufe – also eine Lizenz für die Nutzung vergebe –, dann darf ich 7% USt. berechnen. Der Steuerberater leistet da ausführliche Auskunft, das Finanzamt natürlich auch.

Einnahmen/Ausgaben mit Umsatzsteuer

VorgangDatumSaldoEinnahmeAusgabeUSt.-SatzUSt.Vorsteuer
Pinsel12.10.2018119,00 €100,00 €19%
19,00 €
Postkarten13.10.201817,85 €15,00 €19%2,85 €
Leinwand15.10.2018238,00 €200,00 €19%38,00 €
Gemälde18.10.2018500,00 €420,17 €19%79,83 €
Ateliereinrichtung*31.12.2018500,00 €
500,00 €
Summen1374,85 €435,17 €800,00 €82,68 €57,00 €

*Abschreibung wie folgt: Anschaffung netto 2500,00 €, Abschreibung über 5 Jahre, hier Abschreibung 1. Jahr, die Vorsteuer wird separat im ersten Jahr insgesamt geltend gemacht, in den Folgejahren wird nur der anteilige Nettowert angewendet.

Ob die eigene Liste und die darin enthaltenen Beträge korrekt sind, kann man einfach überprüfen: Addiere die Summen der Spalten Einnahme, Ausgabe, USt. und Vorsteuer. Die Summe muss gleich der Summe aus Saldo sein. Im Beispiel also 435,17+800,00+82,68+57,00 = 1374,85 ist gleich Saldo 1374,85.

Steuererklärung EÜR

Einnahme (Summen Nettobetrag aus Buchliste)435,17 €
Ausgabe (Summen Nettobetrag aus Buchliste)-800,00 €
Gewinn/Verlust*-364,83 €
Erhaltene Umsatzsteuer (Summen Betrag aus Buchliste)82,68 €
Bezahlte Vorsteuer (Summen Betrag aus Buchliste)-57,00 €
Umsatzsteuer*+25,68

*Positive Werte sind an das Finanzamt zu zahlen, negative Werte werden vom Finanzamt zurückgezahlt.

Beispiel buchen Abschreibungen

Abschreibungen sind Ausgaben auf angeschaffte Objekte, bei denen angenommen wird, dass die lange genutzt werden – eine lange Nutzungsdauer haben. Hier sollte eine vollständige, komplette Buchung nicht erfolgen, sondern der Wert der Anschaffung wird auf mehrere Jahre verteilt. Zum Beispiel Firmenwagen, Atelier- oder Galerieeinrichtungen oder auch Maschinen, die sehr lange benutzt werden.

Ich habe mir zum Beispiel eine Druckmaschine gekauft. Kaufpreis ca. 13 tausend Euro inkl. 19 % Mehrwertsteuer. Netto sind das 13000 / 1,19 = 10924,37 Euro sowie 13000 – 10924,37 = 2075,63 Euro Mehrwertsteuer. Eine Abschreibung kann je nach Anschaffungswert und erwarteter Nutzungsdauer 3, 5 oder 7 Jahre betragen. Ist die Nutzungsdauer und damit der Abschreibungszeitraum zu kurz gewählt, wird das Finanzamt Einspruch erheben.

Abschreibung mit Buchungen

Umsatzsteuer

Im Jahr der Anschaffung wird die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) komplett gebucht. Das ist in der Regel eine große Erleichterung am Jahresende, wenn die Umsatzsteuererklärung abgegeben wird – oft bekommt man so gleich was zurück.

Abschreibungen

Abschreibungen werden in der Regel durch die Anzahl Jahre angenommener Nutzungsdauer geteilt und im jeweiligen Jahr als Ausgabe gebucht. Bei der Druckmaschine habe ich 5 Jahre Nutzungsdauer angenommen, den Nettokaufpreis also durch 5 geteilt, im ersten Jahr 1/5 als Ausgabe eingetragen (2184,87 Euro). In den Folgejahren verfahre ich genauso. Am Ende ist die Maschine komplett abgeschrieben oder ich lasse die Maschine mit einen sogenannten Restwert in der Buchhaltung drin (meist nimmt man 1 Euro Restwert an).

Abschreibungsliste linear

TextBetragNettoUSt.
Druckmaschine 19% USt.1300010924,372075,63
Abschreibung 1. Jahr2184,87
Abschreibung 2. Jahr2184,87
Abschreibung 3. Jahr2184,87
Abschreibung 4. Jahr2184,87
Abschreibung 5. Jahr2184,87

Eine Ausnahme tritt ein, wenn ich die Maschine erst im zweiten Halbjahr eines Kalenderjahres gekauft habe. Sagen wir mal, ich kaufe die Maschine im August: dann schreibe ich im ersten Jahr nur einen Teilbetrag ab. Das klingt komplizierter als es ist. Beispielrechnung:

Ich teile den Nettokaufpreis diesmal nicht durch 5 Jahre, sondern durch 60 Monate: 10924,37 / 60 = 182,07 Euro pro Monat. Nun nehme ich die Monate von August bis Dezember = 5 Monate und multipliziere die mit 182,07 Euro = 910,35 Euro, die ich im ersten Jahr abschreibe. Dann berechne ich den Restbetrag: 10924,37 – 910,35 = 10014,02 Euro und teile die durch die verbleibenden 4 Jahre (2503,50 Euro).

Da bleiben dann irgendwo durch Multiplikation und Division kleine Restbeträge beim Aufrunden und Abrunden übrig. Die rechne ich in irgendeinen Teilbetrag, den ich jährlich abschreiben kann, ein.

2503,50 * 4 + 910,35 = 10924,35 Euro, der Nettokaufpreis der Maschine war aber 10924,37 Euro. Die Differenz von 2 Cent kann ich irgendwann als Ausgabe hinzufügen – zum Beispiel im ersten Jahr schreibe ich statt 910,35 eben 910,37 Euro als Ausgabe ab.

Abschreibungsliste linear mit Ausnahme

TextBetragNettoUSt.
Druckmaschine 19% USt.1300010924,372075,63
Abschreibung 1. Jahr910,37
Abschreibung 2. Jahr2503,50
Abschreibung 3. Jahr2503,50
Abschreibung 4. Jahr2503,50
Abschreibung 5. Jahr2503,50